Freitag, 27.09.2019
Etwas was in diesem Urlaub auch erstaunlich ist – Patrik schläft sehr gut,
sehr tief und sehr lange. Manchmal sogar noch am Nachmittag – also mit
Mittagsschlaf. Ich bekomme hier harte Konkurrenz. Und freue mich für
ihn. Schon etliche Male ist er nun schon vor mir eingeschlafen und schläft durch
bis zum Morgen. Herrlich.
Nach gewohnt gutem Frühstück, mit Blick aufs Meer, machen wir uns gleich
morgens auf mit unserer Silk Lady. Heute wollen wir von Sassari aus, in
die westliche Richtung und die Küste dort erkunden. Die Strecke hoch in
die Berge und um Sorso und weitere Teile von Sassari herum ist sehr schön.
Dann aber kommen wir in eine karge und trostlose Gegend. Nichts was man
gesehen haben muss und wir sind froh, als wir wieder an die Küste
kommen.
Hier fahren wir das Küstenörtchen Argentiera an, das liegt in einer
wunderschönen Bucht – wirklich sehr schön. Aber der Ort selbst ist bizarr.
Das meiste sind verfallene Häuser – eine Geisterstadt. Aber
dazwischen gibt es Neubauten –das passt irgendwie überhaupt nicht
zusammen. Wer baut schon ein neues Haus in einer Geisterstadt? Eine
seltsame Stimmung ist hier – muss und sollte man mal gesehen haben. Diese
Mischung aus wunderschöner Bucht, fantastischem Meer, herrlichem Strand,
abgerissene Häuser, dazwischen zwei Bars, eine Trattoria und ab und zu ein
Neubau. Einfach bizarr. Der Reiseführer eröffnet uns, dass es hier mal
eine Silbermine gegeben hat. Okay, das erklärt manches. In der
ehemaligen Silbermine nehmen wir noch einen Café – schon alleine um die
Aussicht noch etwas zu genießen. Hier sitzen, wie ja schon gewohnt, die
Dorf Ältesten beim Frühschoppen. Und ja, wir sind irgendwie auch hier eine
kleine Attraktion. Zumindest bis wir unseren Café haben. Dann allerdings
kommt der Barbesitzer mit frischen Austern und Sushi. Und das lässt man
sich dann schmecken. So in speckiger Arbeitskluft. Nobel geht die Welt
zugrunde. Und gut speisen kann man überall. Genau das bekommen wir hier
live vorgeführt. Wir sind beeindruckt.
Diese Einstellung zum Leben haben wir nun schon mehrfach in Italien
beobachtet. Und es ist nicht die Schlechteste. Das Leben und wenn irgend
möglich, gute Leben steht an erster Stelle. Und : Leben und leben
lassen. Eine schöne Einstellung, wie wir finden. Da wird in der Bar
schon mal abgerundet, damit es eine glatte Summe gibt. Trinkgeld erwartet
keiner – und da ist die Freude dann umso größer, wenn es dann trotzdem
eines gibt. Der kleine Tante Emma Laden hat dann am Ende der Saison nicht
mehr jeden Tag geöffnet, oder auch nur noch stundenweise. Die 2-3 Kunden,
die über den tagverteilt eventuell kommen, die kommen auch an einem
anderen Tag – und wenn nicht, dann halt nicht. Davon geht die Welt auch
nicht unter, und die Besitzerin wird nicht ärmer. Und um Austern zu essen,
braucht es kein nobles Restaurant und schicki micki. Die schmecken auch
auf der Bierbank, in der Speck-Hose, vor der Bar mit Ausblick aufs Meer.
Eine gute Einstellung zum Leben. Quasi Work-Life-Balance schon in den
Genen. Beneidenswert.
Und hier aus fahren wir Richtung Cap del Falcone. Das Cap del Falcone
beziehungsweise, die Fahrt dahin, die braucht man mit dem Motorrad nun
wirklich nicht! Schnurgerade Straßen, trostlose braune Felder und sonst
nichts. Mag‘ sein, dass die Küste zum Baden schön ist, aber dann mit dem
Auto und nicht mit dem Motorrad. Und es ist heiß und deutlich
anstrengender, als in den Bergen. Obwohl nur 2-3 Grad wärmer.
Wir kürzen die Tour ab, und brausen, avanti avanti, von Porto Torres, die
Küstenstraße entlang zurück nach Eden Beach und unserer FeWo. Hier dann
duschen – Spagetti kochen – und dann Siesta – muss sein.
Einzige weitere Aktion ist heute noch das Einkaufen. Später!